Erwerbungen
Seit ihrem Bestehen 2007 konnte die PSM kontinuierlich zahlreiche Werke zur Erweiterung der wichtigen Sammlungsschwerpunkte des Schloßmuseums Murnau – Gabriele Münter, Der Blaue Reiter, alte und moderne Hinterglaskunst – erwerben und ihm als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen.
Damit konnte es auch gelingen, in Murnau entstandene Werke wieder hierher zurückzuholen.

Gabriele Münter „Murnau - Bäume am Hagenweg“ und „Horváth in roter Jacke“, 1931
Öl auf Karton, 33 x 45cm
Gleich zu Beginn hatte die PSM das große Glück, dieses bedeutsamen Doppelgemälde gemeinsam mit der Ernst von Siemens Kunststiftung in einer spannenden Auktion erwerben zu können. Es zeigt das einzige erhaltene Porträt des Dramatikers und Schriftstellers Ödön von Horváth, mit dem Münter um 1930 in Murnau freundschaftlichen Kontakt hatte.

Gabriele Münter „Murnauerin (Rosalia Leiß)“, 1909
Öl auf Karton, 92 x 64,8 cm
Die Ernst von Siemens Kunststiftung, der Förderkreis Schloßmuseum Murnau, die Bayerische Landesstiftung, die Stiftung Schloßmuseum Murnau, die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen und die PSM Privatstiftung Schloßmuseum Murnau konnten gemeinsam dieses eindrucksvolle Porträt der Murnauerin aus der Pfarrstraße unterhalb des Schlosses erwerben und dem Schloßmuseum Murnau dauerhaft übergeben.

Gabriele Münter „Murnau“, 1909
Öl auf Karton, 33,5 x 41 cm
Als außerordentlich großzügige, wertvolle Bereicherung erhielt die PSM aus Privatbesitz ein Landschaftsbild und zwei charakteristische Stillleben von Gabriele Münter aus den bedeutenden Murnauer Aufbruchsjahren sowie ein Gemälde des Künstlerkollegen Alexander Kanoldt, der ebenfalls in den Jahren um 1910 Mitglied der „Neuen Künstlervereinigung München“ war. Sie zeugen von ihren neuen expressiven und farbstarken Ausdrucksformen.

Gabriele Münter „Äpfel auf Blau (Flieder und Apfelsinen 1)“, 1908/09
Öl auf Karton, 37,5 x 50 cm

Gabriele Münter „Stilleben mit Petroleumlampe und Alpenveilchen“, 1910
Öl auf Leinwand, 56,5 x 49 cm

Alexander Kanoldt „Modelle“, 1909
Öl auf Karton, 60 x 50 cm

Gabriele Münter „Porträt Wassily Kandinsky“, 1906
Farblinolschnitt, 24,1 x 17,8 cm
Als Gabriele Münter und ihr Lebensgefährte 1906/07 fast ein Jahr in Paris und Sévres lebten, beschäftigte sie sich intensiv mit der Holzschnitt-Technik. Dieses Porträt, das einzige, das von ihm gestaltete, charakterisiert ihn nicht nur treffend, es weist bereits in seiner flächigen und farbigen Gestaltung auf Münters weitere künstlerische Entwicklung.

Marianne von Werefkin „Porträt Vera Repin“, 1881
Öl auf Leinwand, 89 x 58 cm
In diesem außergewöhnlichen feinen, altmeisterlichen Porträt der Frau des berühmten russischen Malers Ilja Repin, bei dem Werefkin in diesen Jahren studierte, kommt bereits das künstlerische Können der jungen Malerin zum Ausdruck. In früher Anerkennung wurde sie als „Russischer Rembrandt“ bezeichnet.
Sammlung Gesine Kerschbaumer
2010 erhielt die PSM auch zahlreiche Schattenrissarbeiten vor allem in Hinterglastechniken aus der Zeit des 16. bis 21. Jahrhunderts aus der Sammlung Gesine Kerschbaumer, München

Oskar Schlemmer „Stilleben mit Tischdecke“, um 1939
Tusche, Öl- und Lackfarben hinter Glas, gemusterte Damast und Silberfolie, 17,5 x 23 cm
Der am Bauhaus tätige Maler, Bildhauer und Bühnenbildner, der 1933 aus politischen Gründen entlassen wurde, schuf zwischen 1937 und 1942 etwa 80 Hinterglasbilder, darunter diese außergewöhnlich aufwendige, brillante Collage hinter Glas.

Gerhard Richter „Ifried“, 2010
Lackfarben hinter Glas, 35 x 50 cm
Die Beschäftigung mit der Malerei hinter Glas setzte sich im 20. und 21. Jahrhundert in verschiedenster Weise und bei zahlreichen Künstlern fort.
Der bedeutende Bestand moderner Hinterglaskunst im Schloßmuseum Murnau konnte mithilfe der PSM weiter gestärkt werden.
Zu den bedeutenden Künstlern auf diesem Gebiet gehört Gerhard Richter, der sich zum Beispiel 2010 ausschließlich mit Techniken hinter Glas beschäftigte. Das Werk, das Richter für die PSM selbst aussuchte, zeigt Farbflächen von verdichteter räumlicher Tiefe und besonderer Intensität und Brillanz. Es gehört zu einer Folge, die in die Welt arabischer Märchen und Legenden führt.

August Macke „Maria Marc mit ihrem Pelzmännchen“, 1911
Hinterglasbild, 11,8 x 8,9 cm
Macke schuf hier ein sehr treffendes, liebevolles Porträt von Maria Franck, das den engen freundschaftlichen Umgang der Künstlerpaare Macke – Marc zum Ausdruck bringt.
In feiner, lebhafter Zeichnung und Farbigkeit zeigt Macke die Malerin mit einem von ihr selbst gestalteten kleinen Spielzeugfigur.

Franz Marc „Innenraum mit Mann und Frau in altdeutscher Tracht“, um 1911
Mischtechnik hinter Glas, 22 x 21 cm
Dass es der PSM gelang, dieses fein ausgearbeitete, farbintensive, mit Silberfolie hinterlegte Hinterglasbild Franz Marcs zu erwerben, ist angesichts der nur fünf erhaltenen Werke Franz Marcs in dieser Technik von besonderem Gewicht.
Marc hatte die volkstümliche Hinterglasmalerei und ihre Bedeutung für ihre angestrebte neue Kunst durch Kandinsky und Münter in Murnau kennengelernt und sich hier auch einem historischen Motiv zugewandt.

Maria Franck-Marc „Hirten auf dem Weg zur Krippe“, 1911
Öl auf Leinwand, 90,5 x 100,5 cm
Aus dem Nachlass der Künstlerin
Kinder, Spielzeuge und einfallsreiche figürliche Szenerien spielten im Schaffen Maria Marcs eine zentrale Rolle. In Spielzeugwelten versetzte sie auch christliche Themen um Weihnachten und Ostern. Mit seinem expressiven Stil und seiner lebhaften Farbigkeit ist das Gemälde ein eindrucksvolles Zeugnis aus der Phase des „Blauen Reiters“.

Vier Schnitzfiguren, Süddeutschland, um 1800
Madonnenfiguren und ein Engel aus der Sammlung von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter
Schnitzfiguren, Hinterglasbilder und volkstümliche Graphik fanden sich zahlreich in den Wohnraumen Münters und Kandinskys. Die reizvollen Sammlungsstücke boten ihnen zugleich auch wichtige Anregung für Kunst, wie auch in der Schrift „Der Almanach Der Blaue Reiter“ dokumentiert wurde.

Rupprecht Geiger „Roter Kreis“, 1971
Serigrafie/Astralonfolie, 60 x 45 cm
Das Bild aus dem Nachlass des Künstlers ist ein charakteristisches Beispiel seiner Malerei seit den 1950er Jahren. Der Maler der Künstlergruppe ZEN 49 hatte sich zunehmend auf geometrische Grundformen und zentrale Farben konzentriert, hier ein Rechteck, ein Kreis und rote Farbe. Durch die hier eingesetzte Folie werden die Leuchtkraft und die feine Abstufung der Farbe besonders intensiviert.

Marianne von Werefkin „Rosalia Leiß“, 1908/1909
Tempera auf Karton, 64 x 50 cm
Gemeinsamer Erwerb der PSM und des Marktes Murnau
Werefkin schuf ebenfalls ein Porträt der Murnauerin aus der Pfarrstraße unterhalb des Schlosses und malte sie auf ihre Weise in Temperafarben und in eindrucksvollem direktem Kontakt mit dem Betrachter. Ihr Eindruck entsprach jedoch nicht dem Münters, sie verlieh der alten Frau einen deutlich freundlicheren, zugänglicheren Charakter.

Bernd Zimmer „Cosmos“, 2003
Acryl auf Acrylglas (Hinterglas), 129 x 186 cm
Die unberührte Natur ist Bernd Zimmers zentrale künstlerische Thematik und dazu gehören auch die die Weiten des Kosmos. Strahlende Farbfelder und Flecken vor tiefblauem Hintergrund bilden in diesem „Cosmos“ ein unendliches Universum dramatischen Geschehens. Das durchscheinende Acrylglas verleiht ihm eine besondere Leuchtkraft und Tiefe.

Elisabeth Macke „Orientalische Szene“, 1911/12
Öl, Papier und Silberfolie hinter Glas, 24,2 x 28,1 cm
Die Ehefrau August Mackes malte im Herbst 1911, in der Hochphase des geplanten Almanachs „Der Blaue Reiter“, im Kreis der Künstlerfreunde nach zeichnerischen Entwürfen ihres Mannes mit Begeisterung einige Hinterglasbilder. Zu diesem wenigen Exemplaren gehört diese „Orientalische Szene“, die Kandinsky besonders gefiel. Das Bild war, wie das Hinterglasbild von Franz Marc - ein Geschenk im Austausch der Familien Macke und Marc.

Alexander Kanoldt „Stadtbild (Klausen)“, 1912
Öl auf Leinwand, 60 x 76,5 cm
Alexander Kanoldt, wie Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Alexej Jawlensky, Marianne von Werefkin, Adolf Erbslöh, Franz Marc und andere ein Mitglied der „Neuen Künstlervereinigung München“ (NKVM), schuf dieses Gemälde auf dem künstlerischen Höhepunkt seiner Malerei. Die fast geometrisch gebaute Stadtarchitektur, die in dunkle, fein differenzierte Farbigkeit getaucht ist, verrät Anregungen durch kubistische Werke bedeutender französischer Avantgardisten wie Pablo Picasso, George Braque und Andre Derain.

Maria Franck-Marc „Kinder in Sindelsdorf“, um 1911
Öl auf Leinwand, 85,5 x 73,5 cm
In der bewussten „Naivität“ der Darstellung näherte sich Maria Marc besonders der Laien- und der Kinderkunst an, die im Künstlerkreis des „Blauen Reiter“ als der Hochkunst gleichwertig galt.
Maria Franck-Marc war ausgebildete Malerin und seit 1905 Partnerin von Franz Marc. Mit diesen „Kindern in Sindelsdorf“ gibt sie einen unmittelbaren, lebendigen Einblick in das Sindelsdorfer Dorfleben, dem sie seit 1910 mit Franz Marc angehörte. In dieser spontan wirkenden, doch wohlüberlegten Komposition und seiner malerischen Ausführung zeigt sie eine unkonventionelle gestalterische Freiheit.

Gabriele Münter „Zirkusreiterin“, 1917
Hinterglasbild, 18,2 x 13,5 cm
Die „Zirkusreiterin“, eine ihrer eindrucksvollsten Hinterglas-Kompositionen, entstand 1917 nach Münters letzter gemeinsamer Zeit mit Kandinsky in Stockholm.
Das kleine Bild ragt durch das Motiv und die Gestaltung aus Münters sonstigem Themenspektrum auffallend heraus. In ihrer formal reduzierten und farbstarken Bildsprache hat Münter die Zirkusszene meisterhaft zum Ausdruck gebracht.
Die Reiterin lässt sinnbildlich an Münters eigene Situation denken. Sie setzt nun allein fort, was vor Jahren eine gemeinsame Arbeit war. Das Bild erscheint als wehmütige Reminiszenz an die gemeinsame Aufbruchszeit des Blauen Reiters vor dem Ersten Weltkrieg.

Gabriele Münter „Segelboote im Wasser“, 1906
Öl/Bleistift auf Leinwand, 17 x 26 cm
Die Deutsche Bank stellte der PSM das Gemälde aus ihrer Kunstsammlung zur Verfügung. Es entstand während Münters gemeinsamen Aufenthalt mit Kandinsky in Rapallo an der ligurischen Küste und zeigt ihre spätimpressionistische Malerei in Spachteltechnik, bevor 1908 in Murnau die entscheidende Wende zu expressiver Malerei stattfand.

Gabriele Münter „Krank“, 1917
Hinterglasbild, ca. 9,8 x 11,8 cm
Während des Ersten Weltkriegs, der zur Trennung des Paares geführt hatte, lebte Münter in Schweden und Dänemark, während Kandinsky nach Moskau zurückgekehrt war.
Das Bild gehört zu einer Reihe von Hinterglasbildern, die Münter in dieser Zeit malte und in der sie auf ein Wiedersehen mit Kandinsky hoffte.

Werner Schriefers „Gebäude mit Kuppeln“, 1949
Öl hinter Glas, 44,5 x 61 cm
Werner Schriefers gehörte zu der Künstlergeneration nach dem Zweiten Weltkrieg, die die Hinterglaskunst wiederentdeckte und in individueller Handschrift weiterentwickelte.
Seit 1946 faszinierte ihn die Malerei hinter Glas. Sie führte über viele Jahre hindurch zu umfangreicher Arbeit in dieser Technik, die im Verschmelzen abstrakter Formen und Farben „Schwebezustände des Farbigen“ erlebbar machen.

Maria Marc „Schlafender Hirte vor drei Engeln“, um 1908
Gouache auf Karton, 33,8 x 37,5 cm
Maria Marc malte das Bild für ein Kinderbuch. Der originelle Entwurf zeigt drei Engel, deren Gesang die Kunde von der Geburt Jesu verkündet. Er soll den schlafenden jungen Hirten wecken, damit er sich auf den Weg zur Krippe macht.
Das Bild wurde 1912 in der 2. Ausstellung des “Blauen Reiter” ausgestellt.

Hl. Antonius von Padua, süddeutsch, 1. Hälfte 19. Jahrhundert
Öl auf Holz, 33 x 22,7 cm
Dieses durch einen glücklichen Zufall wiederentdeckte Heiligenbild stammt aus altem Murnauer Familienbesitz und geht auf eine italienische Legende zurück. Das Bild hat eine besondere Bedeutung, da es als Werk volkstümlicher Malerei im Almanach “Der Blaue Reiter” abgebildet wurde.
Weitere Stiftungen
Private Stifter und Förderer
Neben eigenen Erwerbungen, bedeutenden Schenkungen und Nachlässen nahm die Privatstiftung auch unselbstständige Stiftungen auf:
Die Stiftung des Ehepaares Werner, das der PSM seit vielen Jahren verbunden ist, auch die Sonja Besch-Stiftung mit dem Nachlass der Malerin Sonja Besch (1924-2008), die viele Jahre in Murnau lebte und arbeitete.
Im Jahr 2010 konnte die Stiftung ein Konvolut aus über 260 historischen Fotografien aus dem Nachlass Marianne von Werefkins erwerben – Dokumente, die für Reproduktionen und Forschung zur Verfügung stehen.